Im freien Fall

157 Kilo Mensch.

Letzte Nacht brach im Zimmer plötzlich Hektik aus: Kurz vor zwei stürmten etwa fünf Leute in den Raum, schirmten das Nachbarbett von mir mit einem Paravent ab und begannen zu arbeiten. Wenig später wurde der gestern noch freundliche und lebenslustige Patient, der eine frische Niere erhalten und sich so gefreut hatte, dass er nicht mehr zur Dialyse muss, samt Bett aus dem Zimmer geschoben. Heute früh war sein Namensschild schon weg. Nur sein Necessaire lag noch beim Waschtisch.

Ich finde es sensationell, was die Leute im Wiener AKH heute schon alles können, und wie schnell sie viele Patient_innen wieder auf die Beine bringen, aber jede Operation birgt erhebliche Risiken und Schwierigkeiten, soviel ist klar. Man schneidet einem Menschen nicht einfach den Bauch auf und drinnen an den Organen herum, ohne dass das Konsequenzen hätte.

Da meine Operation eigentlich aus zwei im Wesentlichen unabhängigen Teilen besteht, nämlich dem Schlauchmagen und der Verkürzung des Dünndarms, sind auch die Risiken relativ weit aufgefächert. Vor allem können alle Nähte, also die im Magen ebenso wie die im Darm, reißen und aufgehen. Die Gefahr ist natürlich am Anfang am größten, aber grundsätzlich kann das sich bildende Narbengewebe auch nach Jahren noch reißen. So ein Bruch muss immer notoperiert werden und ist lebensbedrohlich. Durch den verkürzten Darm nehme ich nicht nur weniger dick machende Nährstoffe auf, sondern auch alle Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, und zwar nicht einfach linear, sondern in ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Ich muss daher ab sofort alle diese Stoffe künstlich zuführen, und zwar in Formen und Mengenverhältnissen, die dafür sorgen, dass im Blut genau die richtige Menge von jeder Zutat des Lebens verfügbar ist. Vielleicht schreibe ich dazu in einem späteren Beitrag mehr. Im Moment ist das noch etwas Zukunftsmusik.

Relativ neuen Operationsmethoden wohnt noch ein anderer, ganz logischer Nachteil inne. Der erste SADI-S wurde zwar schon 2007, also vor 12 Jahren, gemacht, aber diese Zeit reicht noch nicht, um genaue, durch belastbare Forschung belegte Erfahrungswerte zu haben, wie groß die Wahrscheinlichkeit nachteiliger Entwicklungen nach vielen Jahren ist. Magenbänder zum Beispiel werden heute nicht nur deswegen kaum mehr gemacht, weil sie nicht genug Wirkung zeigen, sondern es hat sich herausgestellt, dass diese unkomplizierte und eigentlich risikoarme Methode längerfristig durchaus auch ernsthafte Probleme erzeugt. Das Magenband kann etwa verrutschen, oder es bilden sich rundherum Verwachsungen, die im Extremfall auch erneute Operationen erforderlich machen.

Jetzt aber genug der düsteren Stimmung! Ich bin ja heute aus dem Spital entlassen worden, und es ist Zeit für eine erste Bilanz:

Ihr erinnert euch, dass ich bis zu 177 Kilo auf die Waage brachte, und dieses Abenteuer mit immer noch für gesunde Menschen unvorstellbaren 173 Kilo angetreten habe. Heute zeigte die Waage noch 157 Kilo, das sind bereits 20 weniger als der Höchstwert, und mehr als 15 weniger als mein Gewicht noch Ende Jänner. Das ist schon nicht nichts, würde ich meinen.

Ich darf vorerst damit rechnen, dass es in diesem Tempo weiter geht. Die fehlenden Langzeiterfahrungen mit einem SADI-S schlagen sich zwar auch bei diesem Thema nieder. Vor allem weiß man noch wenig darüber, ob und wie viele die Patient_innen in späteren Lebensphasen wieder zu nehmen. Grundsätzlich ist das bei allen Verfahren nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich, vor allem, aber nicht nur, wenn man seinen Lebensstil nicht dauerhaft umstellt, den Magen wieder dehnt, und eine Kalorienbombe nach der anderen einwirft. Wir sprechen hier ja immer noch von der Behandlung einer Sucht, die natürlich nach wie vor besteht und auch im ganzen Rest meines Lebens nie verschwinden wird. Ich habe durchaus Gerüchte von Patienten gehört, die flüssiges Schlagobers trinken, oder von anderen, die sich von hunderten Mozartkugeln pro Tag ernährten – schön eine nach der anderen, nie zu viel auf einmal im Magen.

Die erste Zeit ist also auch aus diesem Grund eine Zeit des Lernens für mich – was kann ich meinem Körper zumuten, was verträgt er schlechter oder vielleicht gar nicht? Wie kann ich die benötigte Menge der richtigen Nährstoffe zuführen? Wie eine gefährliche Unterzuckerung verhindern?

Belohnt wird dieses Lernen, das zeigen Erfahrungswerte, zumindest in der ersten Zeit reichlich. Patienten mit einem SADI-S erzielen tendenziell einen höheren Gewichtsverlust als bei allen anderen Verfahren. Gemessen in Prozent des Übergewichts, also des Ausgangsgewichtes minus dem Normalgewicht, erzielen Menschen mit SADI-S nach dieser Studie im Durchschnitt 30% Gewichtsverlust drei Monate nach der Operation, 55% nach sechs Monaten, 70% nach 12 Monaten, und nach zwei Jahren sind sie bis zu 85% ihres Übergewichtes los. Da mein Übergewicht ziemlich genau 100 Kilo betrug, tue ich mir beim Umrechnen von Prozent auf Kilo auch relativ leicht. Wenn ich mich also gut mit der OP und der umgestellten Ernährung zurecht finde, waren die 20 Kilo, die ich bisher abgenommen habe, wirklich nur ein Vorgeschmack.

Und jetzt zum Pferdefuß der ganzen Sache: In diesem Beitrag habe ich davon geschrieben, wie ein in Zahlen ausgedrücktes Abnehmziel, besonders so ein absurd hohes, wie ich es mir stellen müsste, immer unerreichbar scheint und oft genau dadurch auch unerreichbar wird. Daran ändert die Operation einmal grundlegend nichts. Selbst Leute, die durchaus große Teile ihres Übergewichtes abgenommen haben, sind dann oft enttäuscht, wenn sie ihr Ziel nicht erreichen. Es besteht sogar, allerdings bedingt durch mehrere Faktoren, ein erhöhtes Suizidrisiko.

Ich habe mir daher überlegt, welche anderen (nicht Ziele, sondern) Meilensteine ich mir setzen kann. Davon mehr in einem späteren Beitrag.

Das Werkstück

So, jetzt bin ich also operiert. Aber ich greife vor.

Sonntag, pünktlich um 9 Uhr, war ich auf der Station 21B, Allgemeine Chirurgie im Wiener AKH gestellt. Ich nahm die übliche Pose des hilflos Umherirrenden ein und wurde bald von einer Schwester in mein Zimmer geführt.

Warum ich schon einen Tag vor der OP im Haus sein musste? Tut mir leid, da muss ich passen. An den drei etwa zehnminütigen Gesprächen, die ich an diesem Tag geführt habe, kann es wohl nicht liegen. In einem Gespräch mit einer Stationsärztin ging es hauptsächlich um weitere Aufklärung, was gemacht wird, wie lang die Operation dauert, was die Risiken sind. Der Anästhesist warnte mich vor, dass man die Narkose schnell einleiten müsse, d. h. ich bekäme im Wachzustand ohne Narkosegas gleich das Narkosemittel gespritzt. “Das wird brennen in der Vene, das heißt, es wird sehr weh tun, aber Sie werden sich danach nicht daran erinnern.” Na dann.

Die zwei Mahlzeiten des Tages bestanden hauptsächlich aus Kohlenhydraten, also ließ ich sie stehen und kaufte mir lieber beim Spar eine Packung Sauermilch als Henkersmahlzeit.

Nach einer recht unangenehmen Nacht – aber sind das Nächte im Krankenhaus nicht immer – war der große Tag gekommen. Meine OP war für ca, 11 Uhr angesetzt, also überraschte mich der Träger, der mich schon um neun in den Saal bringen wollte, unter der Dusche. Ich beeilte mich und wurde in den Aufwachraum gebracht, wo mir erst einmal eine Kanüle gesetzt wurde. Danach hieß es warten…

Ich hatte es mir gerade anders überlegt und wollte das Personal von meiner Entscheidung, die Operation doch nicht machen zu lassen, in Kenntnis setzen, da ging es los. Ein Träger schob mein Bett zu einer Art Durchreiche, wo ich von zwei Helfern auf den OP-Tisch verfrachtet und mit diesem in den Operationssaal geschoben wurde. Man schnallte mich auf eine Art Anti-Masturbation-Cross (googelt es, wenn ihr es nicht kennt), allerdings mit gespreizten Beinen. Als die Umstehenden mit meiner Position zufrieden waren – ich wurde nicht gefragt – kam schon der Anästhesis mit dem Narkosemittel. Es war kühl, tat eigentlich nicht weh, und ich kann mich daran erinnern, wie es langsam durch die Vene meinen Arm hinauf kroch.

Das Nächste, woran ich mich erinnern kann, ist eine drängende Atemnot. Ich öffnete die Augen und konnte zusehen, wie mir jemand einen durchsichtigen Tubus aus dem Hals zog. Alles klar! Ich war trotzdem froh, als ich wieder Luft holen konnte.

In den zwei Stunden im Aufwachraum – die OP hatte länger gedauert als geplant, warum wurde mir nicht mitgeteilt – kam ich langsam zur Besinnung. Gegen 17 Uhr wurde ein lungentransplantierter Patient herein geschoben, für den auf der Intensivstation kein Platz war, weil da ein Kind lag, für das auf der Kinder-Intensivstation kein Platz war. Das alles wurde im Ton höchster Erregung und in entsprechender Lautstärke debattiert. Man beschloss, auf mich verzichten zu können, und ich kam wieder auf die Station.

Dort bat ich um ein Schmerzmittel, das mir auch versprochen wurde, allerdings später, man mache gerade Dienstübergabe. “”Später” wurde “viel später”, und bevor es ganz in “nie” überzugehen drohte, wiederholte ich meine Bitte und bekam die heißersehnte Infusion.

Im Prinzip ging es mir gut, allerdings gab es eine kleine Komplikation. Der frisch zugeschnittene Magen neigte dazu, sich alle paar Minuten für kurze Zeit zu verkrampfen, und das schmerzte höllisch. Es ging schon den ganzen Nachmittag so, also machte ich mir langsam Sorgen. Erst am nächsten Tag bei der Visite, bei der ich auch meinen Operateur erstmals zu Gesicht bekam, wurde mir erklärt, woran das liegt: Man musste, um zwischen dem vielen Fett einen besseren Blick auf meine Organe zu haben, meinen Bauch mit Kohlendioxid aufblasen, und das drückt jetzt auf den Magen. Wie das genau abgeht, ist mir allerdings nicht klar.

Dienstag früh geht es mir nicht viel besser. Der erste Tag meines neuen Lebens beginnt mit Harndrang. Der Pfleger hilft mir aufs WC – ich durfte schon gestern Abend kurz aufstehen – und lässt mich dann da sitzen, also finde ich meinen Weg ins Zimmer ungeplant aber erfolgreich alleine. Bei der Visite folgt eine Ermahnung, es beim Trinken nicht zu übertreiben. Man müsse erst kontrollieren, ob alles dicht sein. Das passiert im Lauf des Vormittags beim Röntgen. Das Erlebnis bekomme ich nicht mitgeteilt – Spricht etwa ein Handwerker mit seinen Werkstück? – aber ich bekomme ein Mittagessen und später auch ein Abendessen – beides in flüssiger Form. Ich weiß nicht, wie groß mein Magen jetzt ist, aber mehr als ein Achtelliter wird es auf keinen Fall sein, also gehe ich es vorsichtig an. Getrunken wird schluckweise und mit einem gewissen zeitlichen Respektabstand zu den Mahlzeiten. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Ich bin sehr durstig, aber die Flüssigkeit, die mein Körper benötigt, bekomme ich heute noch intravenös, also reicht es, gelegentlich den Mund zu befeuchten und hinunter zu schlucken.

Jetzt, am Abend, sitze ich alleine im Zimmer – der Mitgefangene wird operiert und verbringt die Nacht und wohl auch die nächsten Tage auf der Intensivstation -, schlage mir den Bauch mit einer sehr dünnen Petersiliencremesuppe voll und verfasse diesen Beitrag. Es geht mir doch blendend. Wieder ein erfolgreicher Tag für die Chirurgie im AKH.

Leberfasten

172 Kilo Mensch.

30. Jänner 2019 — Ich soll also bis zum 4. März, das sind nicht mehr ganz fünf Wochen, mindestens fünf Kilo abnehmen. Kein Problem, das schaffe ich in einer Woche, wenn ich es nachher gleich wieder zunehmen darf. Nein, wirklich, abnehmen ist überhaupt kein Problem. *Längerfristig* abnehmen, das ist etwas ganz Anderes.

Es gibt da nur eine kleine Komplikation. Bei dieser Diät steht nicht der Gewichtsverlust im Vordergrund, sondern die Leber. Eine bariatrische OP, so heißt eine Operation zur Gewichtsreduktion im Fachjargon, wird nämlich laparoskopisch gemacht, also mit langen, dünnen Instrumenten durch wenige kleine Schnitte in der Gegend des Nabels. Eine deutlich vergrößerte Fettleber ist dabei im Weg, und das erschwert nicht nur dem Chirurgen die Arbeit, sondern verlängert auch die Operation, und damit steigt das Risiko. Die Arbeit an einem Ausnahmekörper wie meinem ist im besten Fall schon eine Herausforderung für jede Ärztin und jeden Arzt, weil das Herz und andere Organe unter besonderer Last stehen. Jede vermeidbare zusätzliche Belastung ist da unerwünscht, auch aus meiner ganz eigenen Perspektive.

Leider hatte ich es verabsäumt, mich genau zu erkundigen, wie das mit dem Leberfasten funktioniert. Nicht einmal das Wort kannte ich, sonst hätte ich es leicht googeln können. Im Prinzip geht es um folgendes: Wenn der Körper (fast) keine Kohlenhydrate zugeführt bekommt, schaltet die Leber sozusagen in den Panikmodus, die sogenannte Ketose. In diesem Zustand erzeugt sie Ketone, eine chemische Gruppe, dem zum Beispiel das Lösungsmittel Aceton angehört. Diese dienen dem Gehirn, den Muskeln und den Organen des Körpers als Energie-Notversorgung. Als Rohstoff verwendet die Leber dabei das körpereigene Fett, insbesonders das in ihr selbst eingelagerte, sowie mit der Nahrung zugeführtes Fett und Eiweiß. Letzteres ist besonders wichtig, da es auch als Baustoff vor allem für die Muskeln gebraucht wird.

Eine Ketose ist unter Normalbedingungen ein unerwünschter Zustand im Körper, da er auch Risken birgt. Es gibt aber auch medizinische Gründe, eine solche herbei zu führen, und die Vorbereitung auf eine Adipositas-OP ist einer davon.

Blöd nur: Ich hatte keine Ahnung, wie das geht. Ich wusste, dass man in einer Phase weitgehend von Proteinshakes lebt, und dass eine erhöhte Proteinzufuhr ein Eckstein der Methode ist, aber mehr?

Das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal auf ein Phänomen gestoßen bin, das mich seither verfolgt. Man findet im Web jede Menge Kliniken, die Informationen zu Operationsmethoden geben, und zwar jeweils zwei bis drei Absätze, nicht mehr. Darüber hinaus wird die Luft leider sehr schnell dünn.

Youtube hat übrigens auch einige Videos von Magenbypass-Operationen. Da ich aber nicht vorhabe, mich selbst zu operieren, helfen mir die auch nur begrenzt weiter.

Dann wären da noch die Unterlagen aus der diätologischen Schulung. Darin finde ich durchaus einige wichtige Informationen – für die Zeit *nach* der OP. In erster Linie geht es darum, welche Nahrungsergänzungsmittel ich nehmen soll. Mir wird nicht nur der Magen verkleinert, sondern auch der Dünndarm stark verkürzt. Das führt dazu, dass ich vor allem Vitamine und Mineralien nur mehr unzureichend aufnehme, und das muss kompensiert werden. Dazu reichen nicht die klassischen Brausetabletten aus dem Supermarkt, vielmehr gibt es spezielle Präparate, die auf die Situation zugeschnitten sind und übrigens nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. (Wer sich das nicht leisten kann, der oder dem wird sogar von der OP abgeraten.)

Aber vor der OP? Da war guter Rat teuer. Ich sollte ja sofort mit der Diät anfangen, eigentlich schon vorgestern. Mein erste Weg führte mich also in einen Supermarkt zum Regal mit den Proteinshakes, die als Lifestyleprodukte ja in großer Auswahl verkauft werden. Ich suchte mir das Produkt mit dem geringsten Zuckergehalt aus und besorgte mir dazu die schon erwähnten Vitamin-Brausetabletten. Im Web bestellte ich Nestlé Resource Protein Pulver und die Shakes der gleichen Marke. Letztere schmecken fürchterlich und enthalten auch reichlich Zucker, also habe ich sie relativ bald aufgegeben. Mit dem Pulver begann ich, ein wenig zu experimentieren.

Man kann es zum Beispiel in Joghurt einrühren und mit Süßstoff und künstlichen Aromastoffen bekommt man in etwa Geschmack und Konsistenz von Fruchtzwergen. Ich aß “viel” Gurken, Cherrytomaten, Paprika, Frischkäse, Käse überhaupt, oder ich rührte das Eiweiß in Sugo ein und überbuk damit und mit etwas Käse einen Zucchini.

Völlig verzichtet habe ich auf alle Kohlenhydratträger, nicht nur auf Erdäpfel, Nudeln, Brot und natürlich sowohl Alkohol als auch Zucker in jeder Form, sondern sogar auf stärkehaltiges Gemüse wie Karotten. Auf Wikipedia fand ich die Zahl von 50g als Obergrenze für die Kohlenhydratmenge pro Tag, im ketoforum, einer Community von Leuten, die nicht unbedingt aus medizinischen Gründen eine ketogene Diät halten, eine Reihe von Rezeptideen. Daran habe ich mich auch möglichst gehalten, auch wenn mir das nicht jeden Tag gelungen ist.

Warum weiß ich das überhaupt? Zur Aufzeichnung habe ich – wieder einmal – ein Monatsabo bei kilocoach.at genommen. Es fällt mir ausnehmend schwer, ein Nahrungsprotokoll zu führen, weil ich das in meinem Leben schon so oft erfolglos versucht habe, aber für ein paar Wochen erwies es sich als möglich. Kilocoach ist zwar nicht billig – für das eine Monat zahle ich 17 Euro 90 –, hat aber dafür eine recht umfangreiche österreichische Produktdatenbank. Man kann fehlende Produkte mit allen Nährwerten auch relativ einfach nacherfassen und bekommt eine übersichtliche Tagesauswertung nach Kalorien und einzelnen Nährwerten. Damit habe ich relativ schnell gelernt, wo wenige oder keine Kohlenhydrate drin sind.

Ich passte auf, dass ich bei etwa 1300 Kalorien pro Tag blieb, aber es gab auch Tage, da hatte ich 1700 (mehr allerdings nie) oder nur 900. In den ersten drei Wochen hatte ich so zehn Kilo abgenommen, die Woche darauf hatte ich den ersten echten Rückschlag. Aus irgend einem Grund habe ich innerhalb von zwei Tagen 1,3kg zugenommen, die waren aber rasch wieder weg.

Inzwischen weiß ich mehr. Meine Firma bietet Betreuung von einer Ernährungsberaterin an, die habe ich in Anspruch genommen. Die Quintessenz ist, dass ich mit dem, was ich gemacht habe, gar nicht so schlecht gelegen bin. Es gibt spezielle Shakes, und am Anfang soll man drei Shakes am Tag trinken und etwas Gemüse essen. Das Konzept ist hier erklärt, da gibt es auch ein Buch und das Präparat zu kaufen. Mit meinem Eiweißpulver, ergänzt mit Vitamintabletten, komme ich auf eine ganz ähnliche Zusammensetzung. Wichtig ist auch, dass man die ersten zwei Wochen relativ radikal einsteigt, das habe ich auch intuitiv richtig gemacht.

Leicht ist das übrigens nicht. Dass ich es trotzdem schaffe, liegt unter Anderem daran, dass ich eine sehr konkretes Ziel zu einem sehr konkreten Datum vor Augen habe. Meine Essucht nagt jeden Tag an mir, und am liebsten würde ich immer wieder alles hinwerfen. Manche äußeren Reize sind das Schlimmste: der Geruch von frischem Brot, Bananen, die im Supermarkt gleich neben meinen Gurken liegen, solche Sachen eben. Mein Arbeitsplatz im Büro liegt gleich hinter der Kantine, was um die Mittagszeit auch kaum auszuhalten ist. Dagegen hilft übrigens ein einfacher Trick: Starke Gerüche und Geschmäcker, die das Gehirn stärker beschäftigen als der Duft des Essens. Ich schmiere mir die Nase einfach jeden Tag mit Wick Vapo Rub ein, aber es funktionieren auch Kaffeebohnen, die man kaut, getrocknete Chilis oder hochwertige Duftöle aus der Apotheke.

Disclaimer: Ich bin kein Mediziner und berichte nur von meinen eigenen Erfahrungen. Jede radikale Gewichtsreduktion sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Ich nenne hier ausnahmsweise konkrete Produkte, weil das eine Information war, nach der ich erfolglos im Web gesucht hatte. Vielleicht hilft das ja jemandem Anderen weiter. Die Nennung ist nicht als Werbung zu verstehen. Ich stehe in keinerlei Verhältnis zu Produzenten oder Händlern.